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Saatgut – alles gut? 

Posted on 25. August 20234. April 2026 By Hanna Sauer

Was steckt hinter den Begriffen hybrid, F1 und samenfest?

Der Frühling ist da und bei uns allen geht gerade darum, unsere Gärten auf das kommende Gartenjahr vorzubereiten. Nach dem tristen und grauen Winter freuen wir uns schon sehr auf unsere erste richtige Gartensaison im KGV Hainstraße!

Da unser Vorrat an Pflanzensamen Anfang des Jahres einem Mäuseüberfall zum Opfer gefallen ist, haben wir nun wieder Anlass, uns eingehender mit Saatgut zu beschäftigen. Dabei ist zwischen samenfestem und hybridem Saatgut zu unterscheiden. Worin genau der Unterschied liegt und was sich für eine kostengünstige und nachhaltigere Nutzung lohnt, möchten wir hier auf die Spur gehen.

Ein Artikel von Hanna Sauer und Martin Ebendorff-Heidepriem

Hybrides Saatgut (F1)

Das hybride Saatgut entsteht durch die künstliche Kreuzung von zwei Pflanzensorten miteinander. Die beiden Sorten haben unterschiedliche Eigenschaften, die miteinander vereint werden sollen: die eine ist beispielsweise besonders resistent gegen Mehltau, die andere trägt viele Früchte. Die Kreuzung dieser beiden Pflanzlinien wird F1-Saatgut genannt. Die Eins steht für die erste Generation, die ausgesät wird und in der die Pflanzen noch die gleichen Eigenschaften haben.

Vorteile: Die Verwendung von F1-Saatgut hat einige Vorteile, zum Beispiel höhere Erträge oder größere Früchte. Es lohnt sich vor allem für den schnellen Anbau auf großen Flächen. Außerdem bekommt man es wesentlich einfacher als samenfestes Saatgut, zum Beispiel in Gartencentern oder mittlerweile auch Supermärkten.

Nachteile: F1-Saatgut sollte jedes Jahr neu gekauft werden, da es nicht samenfest ist. Schon in der zweiten Generation der Aussaat kommt es zu negativen genetischen Veränderungen der Pflanzen. Außerdem sind die Hersteller des F1-Saatguts oft Unternehmen, die besonders in der Erwerbslandwirtschaft zur weltweiten Abnahme der Sortenvielfalt beitragen. In vielen Ländern werden Landwirte durch den Verkauf von rechtlich geschütztem oder sogar patentiertem Saatgut unter Druck gesetzt, weil sie ihr Saatgut nicht mehr selbst vermehren, sondern immer wieder neu kaufen müssen. Insgesamt ist das Thema recht kompliziert. Für die Interessierten unter euch gibt es in dieser Ausgabe ein paar Links zum Weiterlesen.

Bereits ab der zweiten Generation, kann es zu unerwünschten Ergebnissen kommen. Hier wurde die dritte Generation fotografiert. Quelle: Hanna und Martin

Samenfestes Saatgut

Bei samenfestem Saatgut stammen beide Eltern von einer Sorte ab. Ihre Eigenschaften bleiben über mehrere Aussaat-Generationen gleich, weshalb man die gesammelten Samen der Pflanzen im nächsten Jahr wieder aussäen kann. Zu samenfestem Saatgut gehören zum Beispiel alle Wildpflanzen oder alte Sorten, die in verschiedenen Regionen oder von Familien teils seit Jahrhunderten angebaut werden.

Vorteile: Über die Jahre gesehen ist die Verwendung von samenfestem Saatgut kostengünstiger und nachhaltiger, da es nur einmal gekauft werden muss und gut weiterverwendet oder bei Saatgutbörsen getauscht werden kann. Außerdem trägt man mit der Nutzung zum Erhalt der schwindenden Sortenvielfalt bei. Viele Pflanzensorten, die über Jahrhunderte verwendet wurden, sind heute durch die Züchtung hybrider Sorten vom Aussterben bedroht. Denn die Keimfähigkeit von Samen nimmt bei Nicht-Verwendung von Jahr zu Jahr ab: Je weniger samenfestes Saatgut verwendet wird, desto schwieriger ist es, viele Sorten zu erhalten. Damit verlieren wir viele leckere und schöne Sorten, die auch für die Züchtung neuer Pflanzensorten wichtig sind. Man spricht auch von einer Sortenverarmung, die in den letzten 100 Jahren enorm zugenommen hat.

Nachteile: Samenfestes Saatgut ist etwas schwieriger zu bekommen als hybrides. Zwar findet man es heute immer öfter in Bio-Läden und ab und an auch in Baumärkten, doch muss man oft online bestellen, je nachdem, wie viel Unterschiedliches man anbauen möchte. Zudem ist das samenfeste Saatgut oft weniger ertragreich als F1-Saatgut. Außerdem kann es bei manchen Gemüsesorten passieren, dass sich die gesäte Pflanze mit anderen kreuzt und ihre Nachkommen daher Eigenschaften anderer Pflanzen angenommen haben. Gerade bei Kürbissen oder Zucchini sollte man vorsichtig sein. Aber auch hier gilt, sich in das Thema einzulesen – oder es einfach mal ausprobieren.

Unser persönliches Fazit

Wir kaufen sowohl samenfestes als auch F1-Saatgut. Beim samenfesten Saatgut finden wir es schön, selbst Samen für das nächste Jahr zu ernten (und es diesmal in einer mäusesicheren Box zu lagern). Es gibt uns ein gutes Gefühl zu wissen, dass wir nicht von speziellem Saatgut abhängig sind und uns damit selbst versorgen können. Zudem fühlt es sich besser an, kleinere Gärtnereien und Saatguthöfe mit dem Kauf von samenfestem Saatgut zu unterstützen, da sie in ständiger Konkurrenz zu großen

Unternehmen stehen. Bei manchen Gemüsesorten ist es jedoch schwieriger, samenfestes Saatgut zu finden. Wenn wir im Baumarkt unterwegs sind und uns ein paar lecker aussehende Sorten anlachen, dann schlagen wir auch zu, wenn es sich um F1-Saatgut handelt. Schließlich ist dieses gut erprobt und hat auch oft einen hervorragenden Wuchs und Geschmack.

Was allerdings passieren kann, wenn man F1-Saatgut im Folgejahr wieder nutzt, sieht man auf dem Foto links. Während die Bohnen im Originalsaatgut schön groß und gesprenkelt waren, sind in der zweiten Generation (F2) immer mehr rein schwarze oder weiße Bohnen aufgetreten. Bei der hier fotografierten dritten Generation (F3) gibt es fast nur noch schwarze und einige wenige weiße Bohnen. Außerdem war der Ertrag trotz des warmen, bohnenfreundlichen Wetters im letzten Jahr deutlich geringer und ein Großteil der Bohnen war von einem Pilz und Käfern befallen.


Bildquellen: Hanna Sauer und Martin Ebendorff-Heidepriem

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