In unserem Kleingartenverein sind Spültoiletten verboten, da es keinen Anschluss an die Kanalisation gibt. Doch das bedeutet nicht, dass ihr auf eine eigene Toilette verzichten müsst. Michael Hirt zeigt euch eine nachhaltige, chemiefreie und wassersparende Alternative: die Trocken- oder auch Trenntoilette. Hier erfahrt ihr, wie sie funktioniert und welche Vorteile sie bietet.
Mit der Geburt unseres zweiten Kindes wurde der Wunsch nach einer eigenen Toilette im Garten dringender. Kinder müssen SOFORT, und der Weg zum Vereinsheim war oft zu weit. Mit zwei Kindern wurde es noch mühsamer. So begann meine Suche nach der besten Lösung.
Chemietoilette oder Trocken-Trenntoilette?
Unsere Anforderungen:
- Kein Abwasser, da Sickergruben verboten sind.
- Ähnlich komfortabel wie eine normale Toilette.
- Wintertauglich, also ohne Wasserbetrieb.
Bei der Suche nach einer passenden Toilette kam ich sehr schnell auf die Chemietoilette, da sie wohl die bekannteste und einfachste Lösung ist. So schnell, wie ich darauf gekommen bin, so schnell schloss ich sie jedoch auch aus, da sie einige Nachteile mit sich bringt:
- Meist niedrig und schlechter Komfort.
- Kleine Behälter, die sehr schnell voll sind.
- Chemikalien und komplizierte Entsorgung.
Der Gedanke, regelmäßig eine volle Fäkalienkassette zu transportieren, war wenig attraktiv. In der Tiny-Haus Szene wurde ich auf eine Alternative aufmerksam: Die Trocken- oder auch Trenntoilette.

Wie funktioniert eine Trocken- Trenntoilette?
Eine Trocken- Trenntoilette trennt Urin und Fäzes (schöneres Wort für Kot). Sie ist so konzipiert, dass der Urin vorne abgeleitet wird und in einem separaten Behälter landet, während Fäzes samt Toilettenpapier in einem mit einem Plastiksack ausgestatteten Behälter gesammelt werden. Um Gerüche zu verhindern, wird das Ganze mit Streu (ganz normales Kleintierstreu) oder speziellen Pellets abgedeckt.

Entsorgung und Nutzung im Garten
Der Urin kann im Verhältnis 1:10 oder 1:20 als Dünger verwendet werden. Wir filtern den Urin und leiten ihn direkt in die Erde ein. Der gesammelte Fäzes kann entweder im Haus- oder Biomüll entsorgt werden (bitte die lokalen Regeln Beachten. Wuppertal beispielsweise möchte keine Plastiksäcke im Biomüll – auch keine abbaubaren) oder – was für Kleingärtner besonders interessant ist – kompostiert werden.
Der Fäzes wird, wenn der Sammelbehälter voll ist, 1-2 Monate vorkompostiert. Danach wird der Inhalt einfach dem normalen Kompost beigemischt. Der Kompostierprozess tötet schädliche Bakterien und Keime ab. Kompostierter Fäzes wird so zu hochwertigem Humus. In der Landwirtschaft ist der Einsatz von Tiermist schon lange üblich. Hier braucht man also keine Angst haben. Wer dennoch unsicher ist oder sich ekelt, kann damit erstmal
Bäume und Sträucher düngen und lässt die Gemüsebeete aus. Bei uns muss die Toilette in der Saison (wir sind sehr viel im Garten) ca. einmal im Monat geleert werden. Da unser Kompost z.Z. eher schlecht funktioniert (falscher Standort), entsorgen wir momentan noch in unserem Hausmüll zu Hause. Der Auffangbehälter ist dabei sehr leicht, da sich keine Flüssigkeiten darin befinden, und kann problemlos getragen werden.
Geruchsbelästigung?
Keine Sorge! Mit der richtigen Technik und dem richtigen Umgang mit der Toilette bleiben Gerüche vollkommen aus. Durch das Abdecken mit Kleintierstreu oder speziellen Pellets werden die Ausscheidungen sehr schnell getrocknet und es kommt gar nicht erst zu einer Geruchsbelästigung. Außerdem bleibt durch die Trennung von Urin und Fäzes eine chemische Reaktion aus, die Gerüche verursacht. Die teureren Modelle verfügen über leistungsstarke Lüfter, die das Trocknen beschleunigen und Gerüche noch besser verhindern.
Kosten
Die Kosten variieren stark:
Einfache Modelle (z. B. tragbare Lösungen, die man auch zum Angeln oder auf Festivals mitnehmen kann): ab 50 Euro.
Mittelklasse (ähnlich Chemietoiletten): ab 150 Euro.
Komfort-Modelle: ab 500 Euro, mit Lüftern und dem Komfort ähnlich einer normalen Toilette.
Wer handwerklich begabt ist, kann sich eine Trockentoilette auch selbst bauen. Das Prinzip ist einfach und Bauanleitungen gibt es im Internet.
Laufende Kosten
Die laufenden Kosten sind überschaubar:
- ggf. Strom für den Lüfter (ca. 2,5 W, 210 mA).
- Plastiksäcke für den Fäzes (abbaubare Beutel – falls ihr kompostieren wollt – kosten bei Separett 20 Euro für 10 Beutel. Man kann aber auch jeden anderen passenden abbaubaren Beutel nutzen.)
- Biologisch abbaubare Harnsteine zur Vermeidung von Urinablagerungen (5 Steine von Separett kosten ca. 20 Euro. Pro Saison brauchen wir meistens 2 Steine).
- Kleintierstreu (Ein Paket reicht für mindestens 2 Jahre)
Nachteile
Ich kann (im Vergleich zu Chemietoiletten) keinen Nachteil nennen. Außer vielleicht, dass eine Trocken- Trenntoilette nicht unbedingt selbsterklärend ist. Gästen, insbesondere Kindern, muss das Prinzip vorher erklärt werden. Aber selbst das hat bislang eher zu lustigen statt unangenehmen Gesprächen geführt. Achso, sitzen ist übrigens Pflicht. Wobei es mittlerweile auch gute Pissoirs gibt.
Fazit
Eine Trockentoilette ist eine umweltfreundliche und praktische Lösung für den Kleingarten. Sie spart Wasser, ist geruchsfrei und bietet einen hohen Sitzkomfort. Wer neugierig geworden ist, kann sich gerne meine Lösung in Garten 32 anschauen.
Links
- Separett: Bekannter Hersteller von Trockentoiletten. Unser Modell ist die Separett Villa: *https://separett.com/de/de
- Guter Shop mit einer großen Auswahl: *https://humustoiletten.de/
- Finizio: Berliner Firma, die Lösungen für Festivals und Feiern bietet aber auch für Privatpersonen interessante Toiletten bietet: *https://finizio.de
- ZirkulierBAR: Forschungsprojekt zur Herstellung von Dünger aus menschlichen Abfällen: *https://zirkulierbar.de/
Bildquelle Vorschaubild: congerdesign auf Pixabay
