Ende November bot das Vereinsheim für mehrere Tage einen ungewöhnlichen Anblick: Warnhinweise am Eingang, strahlende Scheinwerfer, kostümierte Menschen und Filmkameras. Was ging dort vor sich?
Vor einigen Monaten erhielt der Vorstand eine unerwartete Anfrage: Ein Filmteam der Bergischen Universität Wuppertal wollte in unserem Vereinsheim drehen. Wir sprachen mit den beteiligten Studierenden und erfuhren mehr über ihr spannendes Projekt.
Wer seid ihr und was macht ihr genau?
Wir sind Alba Ayala Cejas, Vincent Volz und Caroline Beck. Wir studieren gemeinsam Design Audiovisueller Medien an der Bergischen Universität Wuppertal, wo wir jedes Jahr über zwei Semester ein Filmprojekt verwirklichen. Für dieses Projekt haben wir uns zu dritt zusammengefunden.
Wie seid ihr auf die Idee eures Filmes gekommen?
Da Studierende oft zu Dramen und schwerwiegenden Themen neigen, haben wir uns vorgenommen, uns an Humor zu wagen. Im Sommersemester ging es dann um die Stoff- und Figurenentwicklung und schließlich das Drehbuch. Wir wollten etwas schräge Figuren und eine verspielte Welt erschaffen, in der ein Hexenbesen ein eigener Charakter sein kann und es einen professionellen Papierfliegerpiloten gibt, der seine Profession und das akkurate Papierfliegerfalten sehr ernst nimmt. Aber es sollte trotzdem ein wahrer Kern in der Geschichte stecken, den man vielleicht aus seinem eigenen Leben kennt. Unsere Hauptfigur, die in den Gästen ihres Cafés eine zweite Familie gefunden hat, nachdem sie von ihrer eigentlichen Familie verstoßen wurde, muss im Laufe des Films einen Weg finden, auf sich selbst zu vertrauen, um so wieder Zugang zu ihren magischen Fähigkeiten zu finden und ihren selbst aufgebauten Zufluchtsort vor der Schließung zu retten.




Könnt ihr einige Einblicke in den Produktionsprozess geben?
Im Wintersemester ging es in die Produktionsphase. Wir haben Schauspielerschüler- und schülerinnen aus der Umgebung gecastet, Kostüme und Requisiten besorgt, die Shotlist und Drehpläne geschrieben und zum Glück im Kleingartenverein eine super Location für unser Vorhaben gefunden! Von der Universität können wir uns Equipment zum Drehen ausleihen, also Kameras, Tonsets, Lichter usw. Jedoch erhalten wir kein Budget für unsere Projekte und müssen leider alles Weitere aus eigener Tasche bezahlen – dazu gehört auch die Verpflegung der Crew, die Kostüme/Requisiten, eventuelle Anfahrtskosten der Schauspielenden und eben auch die Location. Daher waren wir sehr dankbar über Horst und Nicole, die uns unfassbar lieb und zuvorkommend das Vereinsheim zur Verfügung gestellt haben! Jetzt nach dem Dreh geht es an die Postproduktion, also den Schnitt, das Colour Grading, das Sounddesign, die Special Effects usw. Den Prozess besprechen wir regelmäßig im Seminar mit unserer Dozentin. Ende März steht dann die Prüfung an! Im Sommersemester findet eigentlich immer die Vorproduktion statt, in den Semesterferien wird idealerweise gedreht (dieses Jahr hat sich alles etwas nach hinten verschoben, weshalb wir erst im November drehen konnten), und im Wintersemester findet die Postproduktion statt. Insgesamt sind wir also ein ganzes Jahr mit dem Projekt beschäftigt. Das ist im realen Filmgeschäft natürlich total unüblich, aber für uns Studierende super, da wir genug Zeit haben, uns eingehend mit unserem Projekt zu beschäftigen und kleinschrittig an der Realisierung zu arbeiten. Die Drehphase selbst ist jedoch trotzdem jedes Mal sehr stressig, da man alles, woran man lange gearbeitet hat, nun an den entscheidenden Tagen irgendwie über die Bühne bringen muss. Es geht immer etwas schief, das ist vorprogrammiert. Damit müssen wir umgehen und spontan reagieren. Das hat aber auch etwas Schönes, da so am Set manchmal unvorhergesehene Dinge passieren, die man gar nicht hätte planen können und die dann noch einmal etwas ganz Neues zum Film beitragen! In unserem Studiengang helfen wir uns auch alle gegenseitig bei unseren jeweiligen Drehs. Daher waren auch unsere Kommilitoninnen am Set und haben uns fleißig unterstützt. Im Vereinsheim waren wir insgesamt 6 Tage – von Donnerstag bis Dienstag. 2 Tage davon haben wir nur das Set aufgebaut – denn wir mussten das Vereinsheim ein wenig verändern, um es nach einem Hexencafé aussehen zu lassen. Die restlichen Drehtage haben wir von morgens bis abends durchgedreht.
Wie seid ihr auf unser Vereinsheim gekommen?
Da unsere Geschichte in einem Café spielt, haben wir einen Raum mit Tresen gesucht. Außerdem soll das Café in einer Hütte im Wald angesiedelt sein, also sollte es auch nicht zu modern aussehen und Holzelemente vorhanden sein. Bei Lokalen im laufenden Betrieb wäre es unmöglich gewesen zu drehen, daher kam der Gedanke auf, es mal bei Vereinsheimen zu versuchen. Wir haben im Internet nach Kleingartenvereinen gesucht und uns die Webseiten angeschaut – beim Kleingartenverein Hainstraße sind wir fündig geworden! Die Seite war anschaulich und informativ gestaltet, sodass wir direkt eine ungefähre Vorstellung von der Anlage hatten. Trotzdem waren wir unsicher, ob es etwas werden würde, da wir da ja wirklich mit einer ungewöhnlichen Anfrage um die Ecke kamen – was uns die Unsicherheit genommen hat, war eine kleine Bildunterschrift in der Fotogalerie des Vereinsheims: „Auch für kleine Hexenkongresse ist Platz…“ – Da wussten wir, wir sind mit unserem Projekt an der richtigen Adresse!
Wann ist der Film voraussichtlich fertig und haben unsere Mitglieder die Chance, diesen Film zu sehen?
Der Film wird voraussichtlich Ende März 2024 fertig sein und dann in die Prüfung gehen. Danach werden wir ihn euch natürlich zukommen lassen! Eventuell gibt es irgendwann auch ein Screening an der Uni, wo unsere Filme aus dem Jahr gezeigt werden. Wir halten euch auf dem Laufenden!
Über den Film
Mina, eine junge Hexe mit bescheidenen Kräften, betreibt ein Café im Wald, nachdem ihr Hexenzirkel sie verstieß. Trotz ständiger Missgeschicke, die ihr treuer Besen ausbügelt, lockt ihr Café, der Krumme Besenstiel, Außenseiter an. Eine drohende Gesundheitsinspektion gefährdet ihr Zuhause…wenn sie doch nur zaubern könnte…
