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Heckengeflüster

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Das Magazin des Kleingärtnervereins Hainstraße Wuppertal

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Früher war alles besser!? – Welche Idee steckt hinter dem neuen Magazin?

Posted on 9. November 20164. April 2026 By mhirt

Im deutschen Vereinsleben scheint der Wurm zu stecken. Nahezu jeder Verein beklagt ein Zurückgehen des Engagements. Und wäre das nicht schon schlimm genug, hat die Corona-Pandemie das Vereinsleben endgültig zum Stillstand gebracht. Auch unser Kleingartenverein ist davon betroffen. Mit einem neuen Magazin soll nun der Zusammenhalt wiederbelebt und das Engagement gefördert werden. Wie genau das aussehen soll und was der Satz „Früher war alles besser!” damit zu tun hat, erfahrt ihr hier.

„Früher war alles besser!“ Dieser Satz hallte noch lange nach, als ich von der letzten Jahreshauptversammlung nach Hause fuhr. Ich weiß nicht mehr genau, wer ihn sagte oder in welchem Kontext er gefallen ist – aber das ist auch egal. Denn man hört diesen Satz auf jeder Jahreshauptversammlung. Aber nicht nur dort. Man hört ihn auch auf jedem Sommerfest und bei jeder Gemeinschaftsarbeit. Man hört ihn von seinen Eltern, Großeltern und von jeder Person, die auch nur einen Tag älter ist als man selbst. Und Hand aufs Herz? Ich werfe ihn meinen Kindern auch gerne mal um die Ohren. Immer dann, wenn mal wieder über das Essen genörgelt wird oder das Kind vor Langeweile lethargisch auf einem unverschämt hohen Spielzeughaufen liegt. Früher war einfach alles besser! Früher haben wir gegessen, was auf den Tisch kam.

Früher hatten wir nie Langeweile. Früher waren die Tomaten röter. Früher war der Sommer sommerlicher und der Winter weißer. Früher war mehr Zusammenhalt. Früher war mehr Lametta. 

Und auch wenn ich selber gerne von der „guten alten Zeit“ schwärme, mag ich diesen Satz nicht. Für mich hat er etwas ewig Gestriges. Die Vergangenheit nehme ich gerne wortwörtlich: Die ist vergangen! Die ist weg! Sie kommt nicht mehr wieder, so sehr wir es uns auch wünschen! Ich persönlich schaue lieber nach vorne und glaube, dass jede Zeit ihre Vor- und Nachteile hat.                  

Die Vereinsarbeit ist frustrierender geworden

Und trotzdem: In Hinblick auf das Vereinsleben kann man es nicht verleugnen – da hat sich etwas verändert. Es ist schwieriger, aber auch frustrierender für aktive Mitglieder geworden. Das spüren wir – das spürt jeder deutsche Verein. Sei es das Sommerfest, die Sonntagsöffnung, die Jahreshauptversammlung, der Tag des offenen Gartens oder das Aufbauen einer neuen Schaukel vor dem Vereinsheim. Jedes Mal ärgert man sich, dass sich nur eine Handvoll Leute zum Helfen zusammengefunden hat oder eine Aktivität wegen fehlendem Interesse gar abgesagt werden muss. Es wird dann gerne spekuliert, ob die Leute einfach keine Lust haben, das Interesse fehlt oder die Menschen einfach nur ignorant geworden sind. „Früher war halt alles besser“, schimpft man dann auf die Anderen und setzt in der nächsten Einladungsmail ein Anführungszeichen mehr hinter die Bitte der Beteiligung und hofft, dass so endlich jeder aus dem Quark kommt. Doch wenn wir einfach annehmen, dass die Menschen faul, desinteressiert oder ignorant sind, machen wir es uns zu einfach. Denn die Gründe für das Nachlassen des Engagements sind komplexer. So komplex, dass sich sogar die Wissenschaft damit auseinandersetzt.                        

Engagement im Kleingarten wird sogar erforscht    

Bereits im Jahr 2013 untersuchte das Wissenschaftszentrum Berlin, warum in Vereinen zunehmend das Engagement schwindet. Man kam zum Schluss, dass sich insbesondere der Nachwuchs zunehmend aus der aktiven Vereinsarbeit zurückzieht. Wie die ForscherInnen herausgefunden haben, sind die Gründe hierbei aber nicht Faulheit, Desinteresse oder gar Ignoranz!

Gemeinschaftliche Arbeit kann Spaß machen. Auch wenn viel Sand bewegt werden muss. Quelle: M.Hirt

Man kam zum Schluss, dass sich schlichtweg die Gesellschaft grundlegend gewandelt hat. Gab es früher oft nur Arbeit, Familie und vielleicht einen Verein oder ein Hobby, haben wir heute sehr viel mehr Möglichkeiten unsere Freizeit zu gestalten. Kleingarten, Sportverein, Töpferkurs, Playstation, Motorradtour und Wandern. Dazu kommt, dass die Erwerbstätigkeit durch ständige Erreichbarkeit und höhere Mobilität eine andere Rolle in unserer Tagesplanung einnimmt. Aber auch die veränderte Aufgabenteilung innerhalb der Familien hat Auswirkungen auf unsere Tagesgestaltung. Der Mann ist nicht mehr nur der Ernährer der Familie. Die Frau kümmert sich nicht mehr nur um Kinder und den Haushalt. 

Kein Steinbruch! Sondern die neue Schaukel vor dem Vereinsheim. Quelle: M.Hirt

Das alles sind Gründe dafür, dass sich unsere Prioritäten verschoben haben bzw. sich auf viele Aktivitäten und Verpflichtungen verteilen. Der Kleingartenverein konkurriert quasi mit vielen anderen Dingen. Ich denke, das wird fast jeder so bestätigen können. Ich jedenfalls kann es bestätigen, denn ich bin ein Paradebeispiel dafür. Ein Tag müsste eigentlich 48 Stunden haben, damit ich alles unter einen Hut bekomme. Dazu kommen diese ständigen Entscheidungen, Priorisierungen und Abwägungen bei der Planung meines Tages. Gehe ich wandern oder zur Sonntagsöffnung? Tauchen oder Schaukel aufbauen? Ist der Geburtstag von Tante Gertrud oder das Sommerfest wichtiger? Dann noch die ganzen Termine, Verpflichtungen und Wünsche der restlichen Familie. Alleine für die Terminplanung meiner Kinder bräuchte ich mittlerweile einen Assistenten.               

 Vereine müssen sich der Freizeit-Konkurrenz stellen                     

Aber ist das ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und das Vereinsleben abzuschreiben? Diese Frage stellte ich mir auf besagter Heimfahrt und die Antwort war ziemlich schnell da: ein deutliches „Nein“. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, das ist klar. Wir können uns aber der Freizeit-Konkurrenz stellen und versuchen, den Kleingartenverein in der Prioritätenliste seiner Mitglieder ein paar Plätze nach oben zu katapultieren. Doch wie? Da fiel mir mein Studium ein. Damals untersuchte ich unter anderem, wie Hilfsorganisationen Freiwillige aktivieren und Spenden sammeln. Eine Erkenntnis: Möchte ich, dass sich die Leute aktiv einbringen, so müssen sie sich mit der Sache identifizieren. Und der Schlüssel zur Identifikation ist immer Kommunikation. Man muss also kommunizieren, was man Tolles macht und leistet, damit andere Menschen Lust bekommen mitzumachen. Eigentlich keine Erkenntnis, für die man studiert haben muss – und trotzdem haben wir es im Kleingartenverein bislang nicht umgesetzt bekommen.

Es ist frustrierend, wenn das Zelt am Ende leer bleibt. Ein Glück entstand das Foto vor dem Sommerfest 2019 und es füllte sich noch. Quelle: M. Hirt

Aber haben wir den Anderen davon erzählt? Haben wir aufgezeigt, dass sich freiwillige Arbeit auch für den Einzelnen lohnt, weil es Spaß macht und ein gutes Gefühl hinterlässt? Nein!

Tu Gutes und rede darüber

Ein Beispiel: Damals, als wir die neue Schaukel vor dem Vereinsheim aufgebaut haben, war das eine tierische Maloche. Wir buddelten Löcher von der Tiefe der Grube Osterholz, um dann festzustellen, dass wir sie an der falschen Stelle geschaufelt hatten. Wir bewegten so viel Sand von A nach B, dass man meinen konnte, man meinen konnte, wir schütten eine zweite Sahara auf. Nervig, anstrengend, langwierig, aber auch irgendwie witzig, denn die Gespräche waren kurzweilig, das Bier nach der Arbeit besonders lecker und das Gefühl, etwas Gemeinschaftliches erreicht zu haben, wunderbar.

Also, welche Erkenntnis können wir daraus ziehen? Was lernen wir? „Tu Gutes und rede darüber“, so lautete bereits vor 50 Jahren der Titel eines Buches von – Achtung langer Name – Georg-Volkmar Graf Zedtwitz-Arnim. Langer Name – einfaches Motto. Ein Motto, das mittlerweile zum geflügelten Wort für PR-Agenturen, Hilfsorganisationen und des Ehrenamtes geworden ist, weil es der Schlüssel zu mehr Engagement ist.

Ein Motto also, welches auch wir uns zukünftig auf die Fahnen schreiben sollten. Und damit ist auch schon die Idee, die hinter dem Magazin steht, erklärt. Ein Magazin, das bejahend und positiv über die Aktivitäten des Kleingartens Hainstraße berichtet und Lust auf Mitarbeit macht. Ein Magazin, das als zusätzliches Sprachrohr des Vorstands fungiert. Aber auch ein Versuch, die Kommunikation unter den Mitgliedern zu beflügeln, indem wir die Vereinsmitglieder in den Mittelpunkt stellen und mehr über sie und ihre Geschichten erfahren. Und ich bin davon überzeugt, dass es nur so wimmelt von spannenden, traurigen und unglaublichen Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden. Denn es gibt wohl kaum einen besseren Ort als einen Kleingarten, der die Heterogenität der Gesellschaft auf relativ engem Raum so gut abbildet. Hier diskutiert die Professorin mit dem Elektriker über den richtigen Erntezeitpunkt von Rhabarber. Hier treffen sich drei verschiedene Nationalitäten am Gartenzaun und streiten über die Ergebnisse der Bundesliga. Das sind tolle Voraussetzungen für ein spannendes und informatives Kleingarten-Magazin. 

Und wie so vieles in einem Verein ist auch dieses Magazin eine Teamarbeit.

Daher brauchen wir eure Unterstützung. In welcher Form, das erfahrt ihr hier.       


Vorschaubild: Archiv KGV-Hainstrasse

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