Unsere Kleingärten leisten mehr, als man denkt: Sie sind Treffpunkt, Klimaschützer, Lebensmittelproduzent – und ein echter Mehrwert für die ganze Stadt. Eine Studie zeigt, was wirklich drinsteckt.
Was Kleingärten für unsere Stadt leisten
Städtische Gärten und Grünanlagen erfüllen eine Vielzahl sozialer, ökologischer und ökonomischer Funktionen, die unsere Lebensqualität spürbar verbessern. Das Forschungsprojekt „GartenLeistungen“¹ des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin hat fünf Jahre lang untersucht, welche konkreten Beiträge städtische Grünflächen und Gärten leisten. Damit wollte das Projekt die Bedeutung städtischer Grünanlagen in Zeiten zunehmender Flächenkonkurrenz klarer herausstellen.
Was wurde im Projekt untersucht?
Das Projekt betrachtete drei wesentliche Funktionen von Kleingärten und städtischen Grünanlagen genauer:
- Soziale und kulturelle Leistungen – also wie wichtig diese Orte für ihre Nutzerinnen und Nutzer und damit für die Gemeinschaft einer Stadt sind.
- Ökologische Funktionen – welchen Beitrag Grünanlagen zur Klimaregulation und zum Wassermanagement leisten.
- Potenzial zur Lebensmittelproduktion – wie viele Lebensmittel in Gärten angebaut werden können.
Wie wurde untersucht?
- Die sozialen und kulturellen Werte wurden durch Auswertung bestehender Studien und gezielte Befragungen der Nutzerinnen und Nutzer der Grünanlagen ermittelt.
- Für ökologische Funktionen kamen Sensoren zum Einsatz, um Luftqualität, Temperatur und Regenwasserrückhaltung zu messen.
- Das Potenzial zur Lebensmittelproduktion wurde anhand real erzeugter Mengen in ausgewählten Gartenanlagen berechnet.
Ein Kleingarten ist weit mehr als nur ein Rückzugsort für Pächterinnen und Pächter. Er bietet Erholung, Raum für ein erfüllendes Hobby und einen Ort für geselliges Beisammensein. Doch häufig übersehen wir, wie bedeutsam unsere Gärten für die gesamte städtische Gemeinschaft und Umwelt sind. In diesem Artikel zeigen wir anhand einer aktuellen Studie, welchen finanziellen, sozialen und ökologischen Nutzen Kleingärten und städtische Grünflächen tatsächlich erbringen und was unsere Kleingartenanlage leistet bzw. leisten könnte.
Beeindruckende Ergebnisse aus der Praxis
Diese Untersuchungen fanden in sogenannten „Reallaboren“ in Berlin und Stuttgart statt. Reallabore sind Orte, in denen Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürger gemeinsam Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entwickelten – und das nicht in einem abgeschlossenen Labor, sondern in der realen Welt.
Die Untersuchungen brachten beeindruckende Ergebnisse zutage. Hier zwei Beispiele aus Berlin.
Beispiel 1: Kienbergpark in Berlin-Marzahn-Hellersdorf
Der Kienbergpark umfasst 72 Hektar, wovon 60 Hektar bewirtschaftet werden.²
- Umfragen ergaben, dass dieser Park den Nutzerinnen und Nutzern jährlich etwa 2,6 Millionen Euro wert ist.
- Der Park ist in der Lage, rund 5,7 Millionen Liter Regenwasser aufzunehmen.
- Dieses Regenwasser landet nicht in der Kanalisation und spart der Stadt Berlin somit etwa 220.000 Euro jährlich.
- Zudem filtert der Park jährlich 4.000 kg Schadstoffe aus der Luft, was rund 40.000 Euro Gesundheitskosten einspart.
- Der Park reduziert außerdem Treibhausgasemissionen um 340.000 kg, wodurch Klimawandel-Folgekosten von etwa 60.000 Euro vermieden werden.
- Insgesamt erbringt der Park also Leistungen im Wert von über 2,9 Millionen Euro pro Jahr.
Beispiel 2: Kleingarten „Am Hohenzollernkanal“ in Berlin-Reinickendorf
Die Kleingartenanlage umfasst etwa 5 Hektar und ist damit gut doppelt so groß wie unsere Anlage.³
- Den Anwohnerinnen und Anwohnern ist diese Anlage etwa 170.000 Euro jährlich wert.
- Die rund 5 Hektar große Anlage nimmt etwa 340.000 Liter Regenwasser auf.
- Dadurch spart die Stadt rund 13.000 Euro im Jahr.
- Zusätzlich werden 200 kg Schadstoffe aus der Luft gefiltert und 19.000 kg Treibhausgase vermieden, wodurch weitere 5.000 Euro im Jahr eingespart werden.
- Zudem produzieren die Kleingärtner dort rund 11.600 kg Lebensmittel im Wert von etwa 15.200 Euro jährlich.
Ihr seht also: kleine Anlagen mit großer Wirkung.
Was bedeutet das für unsere Anlage?
Kommen wir nun zu der spannenden Frage: Was bedeutet das für unsere Anlage? Inspiriert durch die Ergebnisse haben wir beispielhaft berechnet, was unsere 2,2 Hektar⁴ umfassende Kleingartenanlage – hier sind nur die Parzellen berücksichtigt, ohne die Gemeinschaftsflächen – theoretisch leisten könnte. Klar ist, dass hierbei stark vereinfacht gerechnet wurde und wir uns an den Annahmen des Forschungsprojekts orientieren. Dennoch bieten die Zahlen einen guten Ansatzpunkt, um die Leistung unserer Anlage zu beziffern.
Lebensmittelproduktion
Rund ein Drittel der Parzellenfläche, also etwa 750 m², sollte laut Drittelregel⁵ für den Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern genutzt werden. Mit einem durchschnittlichen Ertrag von 5,5 kg/m²⁶ könnten wir jährlich etwa 4.100 kg Lebensmittel produzieren. Durch Wintergemüse wie Kohl, Lauch und Feldsalat könnte dieser Wert auf fast 4.800 kg gesteigert werden, da diese Sorten auch außerhalb der Hauptsaison geerntet werden können. Diese Menge entspricht einem Lebensmittelwert von fast 6.300 Euro.
Regenwasserrückhaltung und Entlastung der Kanalisation
Regenwasser versickert bei uns im Garten und entlastet somit die städtische Kanalisation erheblich. Die Gebühren für Niederschlagswasser – in Wuppertal 2,06 Euro/m² – würden für unsere 22.300 m² große Anlage fast 46.000 Euro jährlich betragen.⁷ Das ist eine erhebliche Einsparung für die Stadt, denn die Regenwasserbewirtschaftung ist ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.
Hochwasserschutz
Durch die Versickerung von Niederschlagswasser leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Ein Beispiel aus der Vergangenheit: Am 29. Mai 2018 fielen in Wuppertal innerhalb von 90 Minuten über 100 mm Regenwasser pro Quadratmeter.⁸ Rein rechnerisch nahm unsere Gartenanlage in diesem Zeitraum rund 2,2 Millionen Liter Wasser auf. Dieses Wasser belastete die Kanalisation nicht und verursachte somit keine zusätzlichen Kosten.
Und das sind die Zahlen unserer doch vergleichsweise kleinen Anlage. Wuppertal verfügt über etwa 288 Kleingartenanlagen, die alle zur grünen Infrastruktur der Stadt beitragen und wesentlich zur Lebensqualität beitragen – neben zahlreichen weiteren Parks und Grünanlagen.
Zusammengefasst: Gemeinsam aktiv werden!
Unsere Kleingärten verbessern das Stadtklima, helfen bei der Regenwasserrückhaltung, fördern Artenvielfalt und stärken den sozialen Zusammenhalt. Lasst uns stolz auf diese Leistungen sein und diese gemeinsam ausbauen: Gestaltet eure Gärten kleingärtnerisch. Es muss nicht genau die Drittelregel angewendet werden, aber frisches Gemüse und viel Grün macht Spaß, fördert die Artenvielfalt, ist gesund und entlastet den Geldbeutel. Pflegt eure Gärten und unsere Anlage, damit dieser Ort von unseren Nachbarn besucht und geschätzt wird. Lasst uns zeigen, dass unsere kleine grüne Oase mehr ist als Freizeitfläche – sie ist ein aktiver Beitrag zu einer lebenswerten, zukunftsfähigen Stadt. Jeder gut gepflegte Garten ist ein starkes Zeichen für Gemeinschaft, Verantwortung und Nachhaltigkeit. Gemeinsam können wir viel bewegen – für uns, unsere Nachbarschaft und kommende Generationen.
Fußnoten
¹ Forschungsprojekt „GartenLeistungen“, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin
² Factsheet Kienbergpark
³ Factsheet Hohenzollernkanal
⁴ Insgesamt haben alle Parzellen unserer Anlage eine Fläche von 22.245 m² / 2,2 ha. Die Gemeinschaftsflächen, Wege, Vereinsheim etc. wurden in die Berechnung nicht übernommen.
⁵ Mindestens ein Drittel der Fläche sollte dem Obst- und Gemüseanbau dienen. Ein weiteres Drittel dient der Bepflanzung mit Zierpflanzen, während höchstens ein Drittel der Fläche aus Gartenlaube, Wegen und Terrasse bestehen sollte.
⁶ Durchschnittswert, den das Projekt GartenLeistungen berechnet hat.
⁷ Laut Gebührenverordnung der Stadt Wuppertal.
⁸ Starkregenereignis Wuppertal 2018
Ein Kleingarten ist weit mehr als nur ein Rückzugsort für Pächterinnen und Pächter. Er bietet Erholung, Raum für ein erfüllendes Hobby und einen Ort für geselliges Beisammensein. Doch häufig übersehen wir, wie bedeutsam unsere Gärten für die gesamte städtische Gemeinschaft und Umwelt sind. In diesem Artikel zeigen wir anhand einer aktuellen Studie, welchen finanziellen, sozialen und ökologischen Nutzen Kleingärten tatsächlich erbringen.
