Alles blüht, alles ist grün und trotzdem bleibt es still. An einem sonnigen Frühlingsmorgen, wenn es summen und flattern müsste, hört man in vielen Gärten erstaunlich wenig. Ein Grund dafür ist die Pflanzenwahl: Manche beliebte Gartenpflanzen sehen zwar schön aus, bieten Insekten und Vögeln aber kaum Nahrung oder Lebensraum.
Wir schauen uns an, welche Pflanzen ökologisch wenig bringen und wie wir mit einfachen Mitteln wieder mehr Leben in unsere Gärten holen.
Zu Beginn direkt die unbequeme Wahrheit: Grün und bunt sind nicht automatisch gut und nützlich. Viele beliebte Gartenpflanzen sehen zwar schön aus, tragen für Insekten und Vögel aber nur wenig bei – sie gelten als „ökologisch arm“.

Was macht eine Pflanze ökologisch arm?
Kurz gesagt: Eine Pflanze gilt als ökologisch wenig wertvoll, wenn sie zwar dekorativ ist, heimischen Insekten und Vögeln aber kaum Nahrung, Schutz oder Fortpflanzungsmöglichkeiten bietet. Ein bekanntes Beispiel ist die Forsythie: Sie leuchtet im Frühjahr kräftig gelb, trägt für viele heimische Insekten aber nur wenig bei.
Und genau solche Pflanzen finden wir auch bei uns im Garten häufiger, als uns lieb ist.
Warum überhaupt insektenfreundlich gärtnern?
Was wir hier im Kleinen beobachten – stille Beete, leere Blüten – hat größere Folgen, als man auf den ersten Blick denkt.
Insekten sind eine tragende Säule unserer Ökosysteme: Rund 85–90 % der Wildpflanzen sind auf ihre Bestäubung angewiesen1, und etwa 60 % der heimischen Vogelarten leben direkt oder indirekt von ihnen. Ohne Insekten brechen Nahrungsnetze, Pflanzenvielfalt und letztlich auch landwirtschaftliche Erträge weg.
Genau hier liegt das Problem: In Deutschland ist die Biomasse fliegender Insekten in den letzten Jahrzehnten um über 75 % zurückgegangen2. Gleichzeitig verschwinden wichtige Lebensgrundlagen auch durch Pflanzen, die zwar dekorativ sind, aber ökologisch kaum etwas beitragen. Auf welche Pflanzen trifft das zu?
Gefüllte Blüten – schön, aber oft schwer zugänglich
Ein erstes Beispiel sind stark gezüchtete Zierpflanzen mit gefüllten Blüten. Bei gefüllten Blüten wurden die pollenbildenden Staubblätter in zusätzliche Blütenblätter umgewandelt. Sie wirken zwar besonders prächtig, bieten Insekten aber kaum Nahrung.
Dazu zählen viele Zierkirschen oder auch manche Rosen.

„Grüne Mauern“ im Garten
Ein weiteres Beispiel sind Pflanzen, die nicht als Lebensraum für hier heimische Tiere dienen. Bekanntester Vertreter: der mittlerweile im Kleingarten verbotene Kirschlorbeer. Eine Kirschlorbeerhecke wächst zwar schnell und ist schön anzusehen, sie bietet im Vergleich zu heimischen Hecken deutlich weniger Nahrung und wird von vielen Tierarten dadurch schlechter genutzt.
Exoten ohne Anschluss
Sommerflieder wirkt auf den ersten Blick attraktiv für Insekten, denn er lockt in der Tat Schmetterlinge an. Aber: Er liefert zwar Nektar für Schmetterlinge, dient heimischen Arten aber kaum als Raupenfutterpflanze. Schön für den Moment – aber ohne Zukunft.
Auch viele beliebte Rhododendron-Arten sind ökologisch weniger wertvoll, als ihr üppiges Erscheinungsbild vermuten lässt. Zwar werden ihre Blüten durchaus von einzelnen Insekten besucht, für viele heimische Arten sind sie jedoch schwer zugänglich oder bieten nur wenig Nutzen. Zudem wächst unter den dichten, immergrünen Sträuchern oft kaum etwas anderes. Dadurch entstehen vergleichsweise artenarme Bereiche im Garten, während heimische und vielfältige Pflanzungen meist deutlich mehr Nahrung und Lebensraum bieten.
Eine Gefahr für heimische Pflanzen
Neben diesen Pflanzen mit geringem ökologischem Wert gibt es auch Arten, die gefährlich werden können. Dazu zählen invasive Neophyten wie der Japanknöterich oder der Götterbaum. Sie breiten sich stark aus, verdrängen heimische Arten und verändern Lebensräume. Hier geht es also nicht nur um fehlenden Nutzen, sondern um echte ökologische Schäden.
Und nun alles raus?
Natürlich muss jetzt niemand den gesamten Garten umkrempeln. Ein Garten soll schließlich Freude machen – und dazu gehören oft auch Pflanzen, die man seit Jahren schätzt. Niemand muss gewachsene Sträucher oder liebgewonnene Blumen entfernen. Wer jedoch neu pflanzt oder Beete umgestaltet, kann die Gelegenheit nutzen und stärker auf ökologisch wertvolle Arten setzen. Oft reichen schon kleine Veränderungen, um den Garten lebendiger zu machen.
Was stattdessen pflanzen?
Die gute Nachricht: Es braucht keine komplette Gartenrevolution. Oft reichen schon kleine Anpassungen – nach drei einfachen Prinzipien:
1. Heimisch statt exotisch
Setzt möglichst auf heimische Arten, die Insekten und Vögeln hier besonders gut helfen:
- Schlehe statt Kirschlorbeer
Dichte Zweige als Nistplatz, frühe Blüten für Insekten und Früchte für Vögel – eine Hecke, die wirklich lebt. - Liguster statt Thuja
Pflegeleicht, schnittverträglich und voller Leben: Blüten für Insekten, Beeren für Vögel. - Hainbuchenhecke statt Scheinzypresse
Klassisch, robust und deutlich wertvoller für die Tierwelt – außerdem wunderbar formbar.
2. Ungefüllte Blüten statt Zuchtformen
- Einfache Wildrose statt gefüllter Edelrose
Offene Blüten liefern Pollen und Nektar – und später Hagebutten für Vögel. - Ungefüllte Ringelblume statt gefüllter Sorte
Sieht vielleicht etwas schlichter aus, wird aber von Bienen intensiv genutzt. - Einfache Dahlien statt Pompon-Dahlien
Offene Blüten werden angeflogen, stark gefüllte bleiben meist unbeachtet.
3. Vielfalt statt Einheitsgrün
Vielfalt ist im Garten wie ein gutes Miteinander im Verein: Je mehr unterschiedliche „Mitspieler“ es gibt, desto stabiler und lebendiger wird das Ganze. Verschiedene Pflanzen bieten zu unterschiedlichen Zeiten Nahrung, Schutz und Lebensraum – für Insekten, Vögel und viele kleine Helfer im Boden.
Einheitsgrün hingegen sieht zwar ordentlich aus, bleibt aber oft leise und leer. Mit einer bunten Mischung holen wir uns das Summen, Zwitschern und das echte Leben zurück in unsere Gärten.

Wer sich unsicher ist, kann auch auf Apps und Datenbanken nutzen. Sehr gut ist die Natura Datenbank „Natura DB“. Dort lässt sich nachschauen, welchen ökologischen Nutzen eine Pflanze hat.
Fazit: Unsere Gärten entscheiden mit
Unsere Kleingärten können Teil der Lösung sein. Mit der richtigen Pflanzenwahl leisten wir direkt vor der eigenen Laubentür aktiven Naturschutz.
Und jetzt ihr: Welche Pflanze ersetzt ihr?
Quellen:
- Ollerton, J.; Winfree, R.; Tarrant, S. (2011):
How many flowering plants are pollinated by animals?
Oikos 120(3): 321–326.
DOI: 10.1111/j.1600-0706.2010.18644.x ↩︎ - Hallmann, C. A. et al. (2017):
More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas.
PLOS ONE 12(10): e0185809.
DOI: 10.1371/journal.pone.0185809 ↩︎

Die App ist auf den ersten Blick genial! Danke für den Tipp.